• Friedrich Schleiermacher to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Berlin · Place of Destination: Jena · Date: 28.06.1800
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich Schleiermacher
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Berlin
  • Place of Destination: Jena
  • Date: 28.06.1800
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Schleiermacher, Friedrich: Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. Hans-Joachim Birkner u. Hermann Fischer. Berlin u.a. 1980ff. Abt. 5, Bd. 4. Briefwechsel 1800 (Briefe 850‒1004). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 1994, S. 114‒116.
  • Incipit: „[1] Berlin d 28t. Juni 1800
    Wenige Stunden nach Absendung meines lezten Briefes erhielt ich Ihre erste Sendung, und nun habe ich [...]“
    Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-611-34477
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.25,Nr.13
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 18,4 x 11,9 cm
    Language
  • German
[1] Berlin d 28t. Juni 1800
Wenige Stunden nach Absendung meines lezten Briefes erhielt ich Ihre erste Sendung, und nun habe ich seit vorgestern auch schon die zweite. Beide – mit Ausnahme der Metakritik, an der Bernhardi noch umarbeitet – hat Frölich schon, so auch meinen Engel, der hoffentlich eingesalzen genug ist. Was den Fichte betrift, so wollte ich, Sie hätten Recht mit der Schiffahrt; indeß ereignen sich doch schon allerlei meteorologische Zeichen, die auf Morgen a fresh breeze vermuthen laßen und wenn nicht unglüklicherweise a gale draus wird, so hoffe ich mit Ihrer lezten Sendung zugleich einlaufen zu können, welches denn zeitig genug ist. Es ist ein verzwiktes verdammtes Buch diese Bestimmung des Menschen! Der Parny ist wieder ein trefliches Stük, und wenn er Ihnen keine leichte Arbeit gewesen ist – was ich gern glaube ob mans ihr gleich nicht ansieht – so sind Sie auch reichlich belohnt. Ihre Kritiken haben etwas ganz göttliches und unnachahmliches; sie strahlen so hell und weit nach allen Seiten der Theorie aus, und werfen so leicht und natürlich das Licht wieder zurük auf den eigentlichen Gegenstand; es ist eine rechte Wonne sie zu studiren. Wer daneben steht wird allemal erdrükt, und wenn er auch sein Bestes gethan hat; aber das thut nichts.
[2] Freilich giebt es kein positives Gesez daß die Notizen das lezte sein müßen, und es ist recht brav daß Friedrich seine Unverständlichkeit machen will[;] dagegen ist wie es scheint von seiner Notiz über die Bambocciade (die Bernhardi sehr willkommen gewesen wäre) nicht mehr die Rede. Mit meinem Gespräch das wäre nicht gegangen, theils weil noch Eins dazu gehört, theils weil ich es noch einmal hätte umschreiben müßen. Ich hatte schon vor Abgang meines lezten Briefes noch eine Idee die ich Ihnen mitzutheilen vergaß; indeß bei der Eile die nun eingerißen ist wäre sie doch nicht ausführbar gewesen, wenn Sie auch, woran ich zweifle Gefallen daran gefunden hätten. Ich wollte nemlich eine Notiz machen von Schelling contra Schüz und Schüz contra Schelling, und unter dem Vorwande die Frage wer Recht habe gar nicht zu berühren und nur von der polemischen Geschiklichkeit zu reden den Schüz ganz grausam zudeken. Teufelei genug hätte hineinkommen sollen, ich hatte rechte Lust dazu.
Mich wundert daß Sie, bei Ihrem Wunsch das Aufhören des Athenäums nicht officiell bekannt werden zu laßen, nicht Friedrichs Sonett darauf vetoirt haben: die ganze Welt wird dies gewiß so nehmen. Mit dem Aufsaz über die Unverständlichkeit zu schließen ist eigentlich ein charmantes Eselbohren.
Ueber den durch die bisherigen Sendungen [3] angefüllten Raum kann ich Ihnen bei der großen Verschiedenheit des Formats und der Handschriften nichts bestimmtes sagen. Meine beiden Notizen möchten zusammen wol einen Bogen machen; das übrige kennen Sie
Ihre Vorwürfe werfe ich zurük, und ziehe mich hinter meine religiöse Gewissenhaftigkeit die Friedrich so sehr lobt. Da unser ganzes Interpunctionssystem so höchst schwankend und untauglich ist, so laße ich bis die Theorie darüber im reinen ist gern einem Jeden das seinige. Ich hatte überdies noch in frischem Andenken, was mir Hülsen darüber für Noth gemacht hat. Am wenigsten hätte ich glauben können daß das Opium den Hardenberg auch schriftlich kurzathmig mache. Gott helfe mir beim spanischen! Ihre Leserlichkeit wird das Beste dabei thun müßen.
So eben hat mir Bernhardi die Metakritik gebracht die ich nun auch gleich Frölich schiken werde damit er sieht daß es Ernst ist. Ihre Notate hat Bernhardi wie es sich versteht ordentlich und gut aufgenommen. Bei der Stelle wo Sie und Friedrich gerandglosst haben hat er wol mehr den geistigen und ewigen Tod gemeint als den Zeitlichen. – Hätten Sie nur das von dem Königsbergischen Buche eher in Anregung gebracht. Mir fiel es wol ein; allein da Sie immer dergleichen Sachen eher sehen als wir hier, so dachte ich es müße damit wol nichts auf sich haben. Den Kiesewetter zu lesen kann man wol Niemand [4] zumuthen; indeß sollte es mir doch leid thun, wenn das Materielle in Bernhardis Notiz schon in diesem schlechten Buche stände. – Ehe ichs vergeße: Laßen Sie mich doch wißen ob Hardenbergs Aufsaz wieder mit Novalis bezeichnet werden soll, oder wie? Das Chiffriren der Notizen ist freilich ganz außer dem bisherigen Kostume; indeßen da Sie es beim Herder für nöthig halten, so will ichs eben auch thun.
Hoffentlich werden Sie nun sobald das Athenäum beendigt ist an die Constitution des Jahrbuchs und demnächst an die erste Arbeitsvertheilung denken – wenn Sie nicht etwa, was sehr zu wünschen wäre den ersten Band mit der Wielandskritik größtentheils ausfüllen wollen.
Adieu liebster Freund ich bin eben auch eilig.
Schl.

Haben Sie doch die Güte niemals zu frankiren; wir bereichern dadurch nur einen von unsern beiden Landesherren; Gott weiß welcher am ärgsten prellte. Ich muß immer unter dem Vorwand des Auslandes fast eben so viel Porto bezahlen als ob Sie gar nicht frankirt hätten. Ueberhaupt ist die Post zwischen hier und Jena sehr schlecht. Ihren lezten Brief vom 20ten habe ich am 26ten Mittags bekomen; dagegen den vorigen vom 16ten erst am 24ten Abends.
[1] Berlin d 28t. Juni 1800
Wenige Stunden nach Absendung meines lezten Briefes erhielt ich Ihre erste Sendung, und nun habe ich seit vorgestern auch schon die zweite. Beide – mit Ausnahme der Metakritik, an der Bernhardi noch umarbeitet – hat Frölich schon, so auch meinen Engel, der hoffentlich eingesalzen genug ist. Was den Fichte betrift, so wollte ich, Sie hätten Recht mit der Schiffahrt; indeß ereignen sich doch schon allerlei meteorologische Zeichen, die auf Morgen a fresh breeze vermuthen laßen und wenn nicht unglüklicherweise a gale draus wird, so hoffe ich mit Ihrer lezten Sendung zugleich einlaufen zu können, welches denn zeitig genug ist. Es ist ein verzwiktes verdammtes Buch diese Bestimmung des Menschen! Der Parny ist wieder ein trefliches Stük, und wenn er Ihnen keine leichte Arbeit gewesen ist – was ich gern glaube ob mans ihr gleich nicht ansieht – so sind Sie auch reichlich belohnt. Ihre Kritiken haben etwas ganz göttliches und unnachahmliches; sie strahlen so hell und weit nach allen Seiten der Theorie aus, und werfen so leicht und natürlich das Licht wieder zurük auf den eigentlichen Gegenstand; es ist eine rechte Wonne sie zu studiren. Wer daneben steht wird allemal erdrükt, und wenn er auch sein Bestes gethan hat; aber das thut nichts.
[2] Freilich giebt es kein positives Gesez daß die Notizen das lezte sein müßen, und es ist recht brav daß Friedrich seine Unverständlichkeit machen will[;] dagegen ist wie es scheint von seiner Notiz über die Bambocciade (die Bernhardi sehr willkommen gewesen wäre) nicht mehr die Rede. Mit meinem Gespräch das wäre nicht gegangen, theils weil noch Eins dazu gehört, theils weil ich es noch einmal hätte umschreiben müßen. Ich hatte schon vor Abgang meines lezten Briefes noch eine Idee die ich Ihnen mitzutheilen vergaß; indeß bei der Eile die nun eingerißen ist wäre sie doch nicht ausführbar gewesen, wenn Sie auch, woran ich zweifle Gefallen daran gefunden hätten. Ich wollte nemlich eine Notiz machen von Schelling contra Schüz und Schüz contra Schelling, und unter dem Vorwande die Frage wer Recht habe gar nicht zu berühren und nur von der polemischen Geschiklichkeit zu reden den Schüz ganz grausam zudeken. Teufelei genug hätte hineinkommen sollen, ich hatte rechte Lust dazu.
Mich wundert daß Sie, bei Ihrem Wunsch das Aufhören des Athenäums nicht officiell bekannt werden zu laßen, nicht Friedrichs Sonett darauf vetoirt haben: die ganze Welt wird dies gewiß so nehmen. Mit dem Aufsaz über die Unverständlichkeit zu schließen ist eigentlich ein charmantes Eselbohren.
Ueber den durch die bisherigen Sendungen [3] angefüllten Raum kann ich Ihnen bei der großen Verschiedenheit des Formats und der Handschriften nichts bestimmtes sagen. Meine beiden Notizen möchten zusammen wol einen Bogen machen; das übrige kennen Sie
Ihre Vorwürfe werfe ich zurük, und ziehe mich hinter meine religiöse Gewissenhaftigkeit die Friedrich so sehr lobt. Da unser ganzes Interpunctionssystem so höchst schwankend und untauglich ist, so laße ich bis die Theorie darüber im reinen ist gern einem Jeden das seinige. Ich hatte überdies noch in frischem Andenken, was mir Hülsen darüber für Noth gemacht hat. Am wenigsten hätte ich glauben können daß das Opium den Hardenberg auch schriftlich kurzathmig mache. Gott helfe mir beim spanischen! Ihre Leserlichkeit wird das Beste dabei thun müßen.
So eben hat mir Bernhardi die Metakritik gebracht die ich nun auch gleich Frölich schiken werde damit er sieht daß es Ernst ist. Ihre Notate hat Bernhardi wie es sich versteht ordentlich und gut aufgenommen. Bei der Stelle wo Sie und Friedrich gerandglosst haben hat er wol mehr den geistigen und ewigen Tod gemeint als den Zeitlichen. – Hätten Sie nur das von dem Königsbergischen Buche eher in Anregung gebracht. Mir fiel es wol ein; allein da Sie immer dergleichen Sachen eher sehen als wir hier, so dachte ich es müße damit wol nichts auf sich haben. Den Kiesewetter zu lesen kann man wol Niemand [4] zumuthen; indeß sollte es mir doch leid thun, wenn das Materielle in Bernhardis Notiz schon in diesem schlechten Buche stände. – Ehe ichs vergeße: Laßen Sie mich doch wißen ob Hardenbergs Aufsaz wieder mit Novalis bezeichnet werden soll, oder wie? Das Chiffriren der Notizen ist freilich ganz außer dem bisherigen Kostume; indeßen da Sie es beim Herder für nöthig halten, so will ichs eben auch thun.
Hoffentlich werden Sie nun sobald das Athenäum beendigt ist an die Constitution des Jahrbuchs und demnächst an die erste Arbeitsvertheilung denken – wenn Sie nicht etwa, was sehr zu wünschen wäre den ersten Band mit der Wielandskritik größtentheils ausfüllen wollen.
Adieu liebster Freund ich bin eben auch eilig.
Schl.

Haben Sie doch die Güte niemals zu frankiren; wir bereichern dadurch nur einen von unsern beiden Landesherren; Gott weiß welcher am ärgsten prellte. Ich muß immer unter dem Vorwand des Auslandes fast eben so viel Porto bezahlen als ob Sie gar nicht frankirt hätten. Ueberhaupt ist die Post zwischen hier und Jena sehr schlecht. Ihren lezten Brief vom 20ten habe ich am 26ten Mittags bekomen; dagegen den vorigen vom 16ten erst am 24ten Abends.
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