• August Wilhelm von Schlegel to Philipp Joseph von Rehfues

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Bonn · Date: 18.03.1831
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Philipp Joseph von Rehfues
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 18.03.1831
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 494‒496.
  • Incipit: „[1] Ew. Hochwohlgeboren finde ich mich bewogen, folgende Bemerkungen zu beliebigem Gebrauche vorzulegen.
    In dem Rescript über unsern Lections-Catalog auf das nächste [...]“
    Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-611-36842
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.19,Nr.51
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs.
  • Format: 21,1 x 12,8 cm
    Language
  • German
[1] Ew. Hochwohlgeboren finde ich mich bewogen, folgende Bemerkungen zu beliebigem Gebrauche vorzulegen.
In dem Rescript über unsern Lections-Catalog auf das nächste Semester bemerkt das Königliche Ministerium, „wie erwünscht es ihm sey, daß der Geh. Reg. Rath und Professor Hüllmann die von dem verstorbenen Geheime-Staatsrath Niebuhr beabsichtigte Vorlesung über die Römische Geschichte zu übernehmen Willens ist.“ Es findet hiebei ein Misverständniß Statt, indem Hr. Hüllmann die fragliche Vorlesung nicht übernommen hat, und überhaupt nicht gesonnen ist, die Römische Geschichte abgesondert von der alten Weltgeschichte abzuhandeln.
In so fern aber jene ungemeine Zufriedenheit nur aus der Besorgniß entspringen konnte, als würde durch Hrn. Niebuhrʼs Tod das Studium der Römischen Geschichte auf der hiesigen Universität gänzlich verwaist seyn, liegt in dieser Äußerung etwas für mich sehr kränkendes.
[2] Das Königliche Ministerium scheint bei jeder Gelegenheit meine Existenz zu vergessen.
Ich habe die Römische Geschichte mehrmals vorgetragen: theils in so fern sie in der alten Weltgeschichte begriffen ist, theils in besonderen Vorlesungen. In der ersten Beziehung auch schon ziemlich ausführlich, indem ich diesen historischen Cursus von fünf Stunden wöchentlich durch zwei Semester fortsetzte, und die zweite Abtheilung im Sommer 1824 nur die Römische und Griechische Geschichte umfaßte. Im Winter 1828–9 habe ich die Geschichte der Römischen Republik öffentlich, drei Stunden wöchentlich, in Lateinischer Sprache vorgetragen; im vorigen Sommer die Geschichte des Abendländischen Kaiserthums, Deutsch, wiederum öffentlich. Dazu kommen noch meine ebenfalls öffentlich und Lateinisch gehaltenen Vorlesungen über die Etruskischen Alterthümer und über die antiquarischen Elegien des Propertius. Bei den sämtlichen Lateinischen Vorträgen hatte ich mich eines zahlreichen Auditoriums zu erfreuen, wiewohl sonst die fremde Sprache die meisten Studirenden abzuschrecken pflegt. Auch die Geschichte der Römischen Litteratur habe ich öffentlich, und zwar mehr in [3] Bezug auf die politische und Sitten-Geschichte, als auf eigentlich philologische Kritik vorgetragen.
Wenn ich mich nun einerseits dreist auf meine Thätigkeit in diesem Fache berufen darf, so sollte mir auch das als Verdienst angerechnet werden, was ich, bloß aus Rücksicht auf die akademischen Verhältnisse unterlassen habe.
Ich hatte die erste Ausgabe von Hrn. Niebuhrs Römischer Geschichte gleich nach ihrer Erscheinung in den Heidelberger Jahrbüchern ausführlich beurtheilt, und diese Prüfung hatte durch die eigenthümlichen Forschungen, welche sie enthielt, die Aufmerksamkeit der Kenner erregt. Hr. Niebuhr erklärte sich später seit seinem Hierseyn mit der äußersten Geringschätzung über seine früheren Beurtheiler, theils in einer eignen Streitschrift gegen einen Leipziger Gelehrten, theils in der Vorrede der neuen Bearbeitung. Er foderte mich also gewissermaßen zu einer neuen Prüfung auf, und meine Waffen lagen dazu völlig bereit. Seine sonstigen Anfeindungen sind Ew. Hochwohlgeboren wohl bekannt. Aus Schonung für seine äußerst reizbare [4] Empfindlichkeit habe ich mich dem ungeachtet jeder öffentlichen Äußerung enthalten, wiewohl ich einsah, daß dieses Stillschweigen mich in eine nachtheilige Stellung setzte, und die Meynung veranlassen mußte, ich hätte meine Ansprüche als Kritiker und Restaurator der älteren Römischen Geschichte ganz aufgegeben, was doch keineswegs der Fall ist.
Ich könnte im nächsten Sommer eine Vorlesung über die Römische Geschichte geben, mit nicht größerem Aufwande von Zeit und Mühe als über die alte Weltgeschichte: aber Ew. Hochwohlgeboren errathen gewiß den Grund, warum ich nach Hrn. Niebuhrs Tode eine solche Veränderung nicht vorgeschlagen habe.
Genehmigen Sie pp
Bonn, d. 18ten März 1831
[1] Ew. Hochwohlgeboren finde ich mich bewogen, folgende Bemerkungen zu beliebigem Gebrauche vorzulegen.
In dem Rescript über unsern Lections-Catalog auf das nächste Semester bemerkt das Königliche Ministerium, „wie erwünscht es ihm sey, daß der Geh. Reg. Rath und Professor Hüllmann die von dem verstorbenen Geheime-Staatsrath Niebuhr beabsichtigte Vorlesung über die Römische Geschichte zu übernehmen Willens ist.“ Es findet hiebei ein Misverständniß Statt, indem Hr. Hüllmann die fragliche Vorlesung nicht übernommen hat, und überhaupt nicht gesonnen ist, die Römische Geschichte abgesondert von der alten Weltgeschichte abzuhandeln.
In so fern aber jene ungemeine Zufriedenheit nur aus der Besorgniß entspringen konnte, als würde durch Hrn. Niebuhrʼs Tod das Studium der Römischen Geschichte auf der hiesigen Universität gänzlich verwaist seyn, liegt in dieser Äußerung etwas für mich sehr kränkendes.
[2] Das Königliche Ministerium scheint bei jeder Gelegenheit meine Existenz zu vergessen.
Ich habe die Römische Geschichte mehrmals vorgetragen: theils in so fern sie in der alten Weltgeschichte begriffen ist, theils in besonderen Vorlesungen. In der ersten Beziehung auch schon ziemlich ausführlich, indem ich diesen historischen Cursus von fünf Stunden wöchentlich durch zwei Semester fortsetzte, und die zweite Abtheilung im Sommer 1824 nur die Römische und Griechische Geschichte umfaßte. Im Winter 1828–9 habe ich die Geschichte der Römischen Republik öffentlich, drei Stunden wöchentlich, in Lateinischer Sprache vorgetragen; im vorigen Sommer die Geschichte des Abendländischen Kaiserthums, Deutsch, wiederum öffentlich. Dazu kommen noch meine ebenfalls öffentlich und Lateinisch gehaltenen Vorlesungen über die Etruskischen Alterthümer und über die antiquarischen Elegien des Propertius. Bei den sämtlichen Lateinischen Vorträgen hatte ich mich eines zahlreichen Auditoriums zu erfreuen, wiewohl sonst die fremde Sprache die meisten Studirenden abzuschrecken pflegt. Auch die Geschichte der Römischen Litteratur habe ich öffentlich, und zwar mehr in [3] Bezug auf die politische und Sitten-Geschichte, als auf eigentlich philologische Kritik vorgetragen.
Wenn ich mich nun einerseits dreist auf meine Thätigkeit in diesem Fache berufen darf, so sollte mir auch das als Verdienst angerechnet werden, was ich, bloß aus Rücksicht auf die akademischen Verhältnisse unterlassen habe.
Ich hatte die erste Ausgabe von Hrn. Niebuhrs Römischer Geschichte gleich nach ihrer Erscheinung in den Heidelberger Jahrbüchern ausführlich beurtheilt, und diese Prüfung hatte durch die eigenthümlichen Forschungen, welche sie enthielt, die Aufmerksamkeit der Kenner erregt. Hr. Niebuhr erklärte sich später seit seinem Hierseyn mit der äußersten Geringschätzung über seine früheren Beurtheiler, theils in einer eignen Streitschrift gegen einen Leipziger Gelehrten, theils in der Vorrede der neuen Bearbeitung. Er foderte mich also gewissermaßen zu einer neuen Prüfung auf, und meine Waffen lagen dazu völlig bereit. Seine sonstigen Anfeindungen sind Ew. Hochwohlgeboren wohl bekannt. Aus Schonung für seine äußerst reizbare [4] Empfindlichkeit habe ich mich dem ungeachtet jeder öffentlichen Äußerung enthalten, wiewohl ich einsah, daß dieses Stillschweigen mich in eine nachtheilige Stellung setzte, und die Meynung veranlassen mußte, ich hätte meine Ansprüche als Kritiker und Restaurator der älteren Römischen Geschichte ganz aufgegeben, was doch keineswegs der Fall ist.
Ich könnte im nächsten Sommer eine Vorlesung über die Römische Geschichte geben, mit nicht größerem Aufwande von Zeit und Mühe als über die alte Weltgeschichte: aber Ew. Hochwohlgeboren errathen gewiß den Grund, warum ich nach Hrn. Niebuhrs Tode eine solche Veränderung nicht vorgeschlagen habe.
Genehmigen Sie pp
Bonn, d. 18ten März 1831
×
×